Die Frage, die sich jeder Gläubiger vor dem Verkauf stellt: Wie viel ist meine Forderung eigentlich wert? Die kurze Antwort: so viel, wie ein Investor dafür zu zahlen bereit ist. Die lange Antwort hängt von fünf Faktoren ab.
1. Die Bonität des Schuldners
Das ist der wichtigste Faktor. Eine Forderung gegen ein aktives Unternehmen mit Vermögen ist deutlich mehr wert als eine gegen eine gelöschte Firma oder eine zahlungsunfähige Privatperson. Käufer prüfen den Schuldner vor jedem Angebot: Betreibungsregisterauszug, Vermögen, laufende Verfahren.
2. Das Alter der Forderung
Je aktueller, desto besser. Forderungen unter einem Jahr werden mit kleineren Abschlägen verkauft; nach 3 bis 4 Jahren steigt der Abschlag deutlich. Beachten Sie die Verjährung: Nach Art. 128 OR verjähren Forderungen aus Miete, Arbeit und wiederkehrenden Leistungen in 5 Jahren, die übrigen nach Art. 127 OR in 10 Jahren.
3. Die vorhandenen Unterlagen
Unterzeichnete Rechnungen, Lieferscheine, Verträge oder eine schriftliche Schuldanerkennung vervielfachen den Wert. Eine Forderung ohne Belege hat praktisch keinen Markt.
4. Ob bereits eine Betreibung läuft
Eine Forderung mit einem rechtskräftigen Zahlungsbefehl oder einem Verlustschein nach Art. 149 SchKG beseitigt das rechtliche Risiko (es bleibt nur das Einzugsrisiko) und erzielt einen besseren Preis. Manche Investoren bevorzugen dagegen Forderungen ohne Verfahren, um die Betreibung selbst zu führen.
5. Der Gesamtbetrag
Sehr kleine Forderungen wecken weniger Interesse (die fixen Einzugskosten fallen zu stark ins Gewicht) und sehr grosse verkleinern den Kreis möglicher Käufer. Forderungsportfolios erlauben es, kleine Beträge zu bündeln und attraktiv zu machen.
Welchen Abschlag soll ich ansetzen?
Als Orientierung: aktuelle, dokumentierte Forderungen gegen einen solventen Schuldner, Abschlag von 20 bis 40 %; Forderungen mit mittlerem Risiko, 40 bis 70 %; alte oder schwer einbringliche Forderungen, Abschlag über 70 % oder Verkauf nach Angebot.
Auf Debtalia empfehlen wir immer, mit einem Abschlag von mindestens 20 % zu inserieren und den Preis als verhandelbar zu kennzeichnen: Der Markt sagt Ihnen schnell, ob Ihre Erwartung realistisch ist. Debtalia verbindet dabei nur Verkäufer und Käufer und kauft die Forderungen nicht selbst.
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Die Kosten des Nicht-Verkaufens
Vergleichen Sie beim Bewerten Ihrer Forderung immer mit der Alternative: Jahre der Betreibung, Kosten für Rechtsöffnung und Fortsetzung, Anwaltshonorare und die reale Möglichkeit, am Ende nichts einzuziehen, wenn der Schuldner zahlungsunfähig wird. Ein vernünftiger Abschlag heute ist meist das bessere Geschäft als eine ungewisse Forderung morgen. Die gesetzlichen Grundlagen finden Sie im Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG).